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Die Einsicht in die Aussichtslosigkeit

Als Vertragsstaat internationaler Abkommen zum Klimaschutz und der Luftreinhaltung ist es das erklärte Ziel Deutschlands, den Ausstoß an klimaschädlichen Gasen und Luftschadstoffen zu reduzieren. Dies gilt auch für die Bereiche der Landwirtschaft. Die wichtigsten Treibhausgase in diesem Sektor sind Kohlendioxid (CO2), Lachgas (N2O) und Methan (CH4). Die bedeutsamen Luftschadstoffe sind Ammoniak (NH3), Stickoxide (NOx) und flüchtige organische Verbindungen (NMVOC).

Nach der nationalen Emissionsberichtserstattung ist die Landwirtschaft selbst Betroffene vom Klimawandel durch teils drastische Ertragseinbußen und zugleich Verursacher mit 11% der nationalen Treibhausgas (THG) ‐ Emissionen.

Die Klimagase und Luftschadstoffe der Landwirtschaft stammen überwiegend aus den Bereichen Bodenbearbeitung, der Tierhaltung und den Stickstoffumsätzen.

Allein in der Landwirtschaft sollen lt. „Klimaschutzplan 2050” die Emissionen schon bis 2030 um mehr als 35% CO2 - Äquivalente gemindert werden.

Die Landwirtschaft steht somit vor einer ihrer größten fachlichen Herausforderung in der Geschichte. Sie muss den Zielkonflikt zwischen einer hohen Produktivität, der Klimaentwicklung und einer ökologischen Ausrichtung ihrer Produktionsweisen in historisch kurzer Zeit lösen.

Allein der historische Schritt von der ewigen „Humustheorie” hin zu der „Mineralstoffthese” ist in fast 200 Jahren nicht gelöst, ist bis heute nicht vollständig beantwortet. Die Ansichten über die Rolle der organischen Bodensubstanzen spalten bis heute Wissenschaft, Beratung und Landwirte. Ist die Landwirtschaft nun mehr Verursacher oder mehr Vermeider von Emissionen?

Für eine vollständige Akzeptanz der Ursachen von Emissionen und Schadstoffe, fehlt es grundsätzlich noch an der Einsicht in die Aussichtslosigkeit. Es ist ein ewiger Kampf gegen die fortwährende Ungewissheit, gegen immer neue Geschichten. Zur Überwindung verlangt es bei der Wissensvermittlung nach mehr Klarheit über natürliche Sachverhalte, der Grundlage für eine gesunde Landwirtschaft.

Noch steigen die Emissionen und Schadstoffwerte (auch) in der Landwirtschaft weiter an.
Noch haben sich nur die Rhetorik geändert, nicht aber die Produktionsweisen.
Noch wirkt die alte Humustheorie nach, sodass noch mehr CO2 aus den Böden gasen muss.
Noch wird nicht an der Gülle und den Gärresten, sondern nur an der Ausbringtechnik geforscht.
Noch sind die Sätze um „Nachhaltigkeit” und „Klimaneutralität” vielmals Makulatur.

Der Reiz des Nachdenkens liegt in der Zukunft, der Einsicht, dass ein „weiter so”, aussichtslos bleibt und der Landwirtschaft selbst am meisten schadet. Die Landwirtschaft muss sich für einen neuen Weg entscheiden, sie muss die in ihrem Bereich anfallenden Emissionen und Schadstoffe selbst verbrauchen. Sie muss methodisch den Freiraum für negative Emissionen schaffen. Andererseits tragen bisher viele Verursacher kaum die Kosten der Klima Folgeschäden. Mit dem Beschluss zu dem Emissions-Zertifikate-Handel könnte das Markt-Gleichgewicht wieder hergestellt werden. Die Landwirtschaft kann mit ihrem Potential, der Arbeit mit der Natur, den Pflanzen und dem Boden, der Verkäufer von CO2 - Zertifikaten sein. Doch dafür braucht es einen klaren und auch einheitlichen Ansatz.

Der Lösungsansatz liegt im wahren Kreislauf der Elemente, die klimaschädlichen Gase und Luftschadstoffe als nutzbare Potentiale für das Pflanzenwachstum und die Bodenfruchtbarkeit zu begreifen. Dabei könnten gerade diese, die Chancen für eine neue innovative Quelle, für eine nachhaltige Ressourceneffizienz in der Landwirtschaft sein. Aus vormals (bösen) Emissionen, können „negative Emissionen” entstehen, d.h. Dauer- und Nährhumus für leistungsfähige Böden. Aus Luftschadstoffen können der lebensnotwendige Stickstoff für hohe Erträge gewonnen werden. Aber all das verlangt ein Umdenken, hin zu einem neuen Umgang mit den bisher ungenutzten Kohlenstoff ‐ und Stickstoffreserven im Naturhaushalt. Diese können sowohl den Nährstoffbedarf der Pflanzen optimal bedienen und als die Umwelt - und klimabelastenden Emissionen verschwinden.

W.Witte
Dez. 2020


Ob sie nun zu denen gehören, die an den menschgemachten Klimawandel und dem Nitrat im Grundwasser glauben oder zu denen die es nicht glauben wollen? Fakt ist, dass beides real ist, das Klima verändert sich und die Nitrat- und Phosphat-Konzentration in unserem Grundwasser und den Oberflächengewässern erreichen bedenkliche Werte. Somit wird und muss sich die Landwirtschaft unter dem wachsenden gesellschaftlichen Druck grundlegend ändern, wie es auch parallel in der Autoindustrie passiert. Helfen sie mit, gehen sie voran, so gehen sie mit ihrem Hof und Feld als Gewinner aus der Krise.

In einer Mitteilung der EU-Kommission, wird die Vision einer klimaneutralen EU bis 2050 vorgestellt

Die besondere Bedeutung der Kohlenstoffspeicherung in Böden im Kampf gegen den Klimawandel

Beinahe die Hälfte der Landoberfläche der EU besteht aus landwirtschaftlichen Nutzflächen. Wie dieses Land bewirtschaftet wird, hat nicht nur Auswirkungen auf die Produktivität, sondern auch auf die Umgebung und sogar auf die Atmosphäre. Die Kohlenstoffspeicherung wird hier als eine wesentliche Maßnahme erachtet. Sie sollte effizienter genutzt werden, um Treibhausgasemissionen zu reduzieren.

Nur als Maßstab: Ungefähr 51 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente sind in der EU in den Oberböden landwirtschaftlicher Flächen gespeichert (15 bis 80g C je Kg Boden).

Zum Vergleich: Die gesamten EU-Emissionen belaufen sich auf ungefähr 4,4 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr (2016). Anstiege und Verluste von organischem Kohlenstoff in landwirtschaftlichen Böden können daher große Auswirkungen auf die EU-Gesamtbilanz von Treibhausgasen haben.

In der Mitteilung der EU werden besonders die Möglichkeiten der kohlenstoffspeichernden landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsmethoden hervorgehoben, die sowohl die landwirtschaftliche Produktivität erhöhen als auch Umwelt und Klima schützen können. Das Potential dieser Methoden sollte ausgeschöpft werden, denn sie können zum Erreichen der Klimaziele des Pariser Klimaabkommens und der zukünftigen langfristigen Klimastrategie der EU beitragen. Letztendlich kann ein starkes Engagement der Landwirte für die Verbesserung der Bindung des organischen Kohlenstoffs im Boden ihre Rolle beim Klimaschutz grundlegend verändern ? sie können den entscheidenden Teil zur Lösung beitragen.

Bei vielen Methoden zur Anreicherung von organischem Kohlenstoff in landwirtschaftlichen Nutzflächen bestehen jedoch beträchtliche Unsicherheiten hinsichtlich der Dauer der Kohlenstoffbindungsfähigkeit. Die größte Sorge besteht in der Rückholbarkeit des Kohlenstoffs, einer zeitnahen Ausatmung von CO2 aus den Böden. Dieses würde die Gewinne schnell zunichte machen.

Initiative 2020 der Landwirtschaft und Kompostwirtschaft:

Die ökologischen und die ökonomischen Weichen der EU und der Bundesregierung sind gestellt. Sie können ab jetzt Zahler oder Gewinner am CO2 - Preis sein. Gehen sie neue Wege bei dem Recycling von Biomassen, machen sie ihren Hof und Feld fit für das neue Jahrzehnt mit unserem 6 Punkte Programm für mehr Produktivität und Klimaschutz. Landwirte und Kompostierer werden die neuen Hauptakteure beim Erreichen der EU ? Klimaziele sein.