Als Forscher und Berater fühlte ich mich angesichts der Tatsache unbehaglich, dass wichtige Aspekte der Naturwissenschaft umgangen werden, dass unbegreifliche Zusammenhänge konstruiert werden und dass diese auch noch Bestand haben. Die Aufenthalte in der Natur, die Arbeit mit dem Boden und den Pflanzen, die Vorstellung wie sich Energie vom Licht der Sonne bis in den letzten Winkel der lebenden Organismen und weiter über das Recycling neues Leben nähren, sind mein Antrieb nach dem Verstehen.

Der Ökologische Landbau im Wettlauf mit der KI

(KI = Künstliche Intelligenz)

Der ökologische Landbau ist eine besonders ressourcenschonende und umweltverträgliche Wirtschaftsform. Gemäß der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung soll daher der Flächen Anteil unter ökologischer Bewirtschaftung auf min. 20% gesteigert werden.

Durch die Berücksichtigung der komplexen Zusammenhänge von Sortenwahl, pflanzengerechten Standort, Fruchtfolge, Pflanzenschutz, Bodenbearbeitung und Düngung soll der Ökolandbau die natürlichen Ressourcen im besonderen Maße schonen und erhalten. Dafür sind die durch die EU formulierten Grundsätze des ökologischen Landbaus zu berücksichtigen, die in der Verordnung (EG) Nr. 834/2007 festgelegt sind. Diese anspruchsvollen Grundsätze sind aber selbst für erfahrene Praktiker, mit jahrzehntelanger Erfahrung im ökologischen Landbau, eine sehr große Herausforderung. Ins besonderen die Themen der Pflanzenernährung und des Nährstoffmanagement zu lösen.

Um die Wettbewerbsfähigkeit des ökologischen Landbaus zu sichern und zu stärken, die Erzeugung pflanzlicher Produkte bei stabilen Erträgen zu gewährleisten, bedarf es einer natürlichen, einer nachhaltigen Lösung zu den Themen der Bodenfruchtbarkeit.

Bisher versteht man Bodenfruchtbarkeit als einfachere anorganische Prozesse, welche im Vorfeld hohe Energiemengen und Ressourcen verbrauchen. Aber auch im bisherigen Ökolandbau sind der Energieverbrauch und der Energieverlust beim Einsatz von Wirtschaftsdüngern und Biomassen noch unverantwortlich hoch.

Die Zukunftsstrategie „Ökologischer Landbau“ kann nur durch die Übertragung von Lösungsvorschlägen aus der belebten Natur beantwortet werden, als ein Vorbild für bionische Forschung.

Eine erhaltende, eine dynamische Energie, wie sie über Millionen von Jahren durch die Evolution in der Natur geschaffen wurde, kann die Selbstorganisation der lebenden Systeme auslösen, sie ist der Weg.

Die relativ jungen Forschungsrichtungen, „Verfahrensbionik“ und „Biotechnologie“ können hierbei entscheidende Hinweise liefern. Der Begriff Bionik setzt sich aus der ersten Silbe des Wortes „Biologie“ und der zweiten Silbe des Wortes „Technik“ zusammen, wodurch die grundsätzliche Definition der Forschungsrichtung gegeben ist.

Es geht hierbei nicht um naives Kopieren von oberflächlichen Naturbeobachtungen, sondern um die Einbeziehung grundlegender funktioneller Wirkungen, die Natur zutiefst auf mögliche Anregungen zu untersuchen. Aus der Vielzahl von biologischen Strukturen und Prozessen die die Evolution in geradezu genialer Weise bereits gelöst hat, die Zukunftstechnologie „Ökologischer Landbau“ neu zu definieren.

Geht es in der Bionik schlechthin, um die Untersuchung von Besonderheiten in der Natur und der Übertragungsmöglichkeit in die Technik, technischen Lösungen oder neuen Technologien. Heißt dies für eine ökologische Landwirtschaft, dass in der belebten Natur für viele Problemstellungen hervorragende Lösungen zu finden sind. Diese gilt es zu erkennen, zu pflegen und sie in ihren Wirkungen zu stärken. Die Qualität biologischer Lösungen wird noch augenfälliger, wenn man sich verdeutlicht, dass biologische Strukturen in der Regel nicht nur eine Funktion besitzen, auf die sie optimiert werden können, sondern meist zwei oder mehrere Funktionen erfüllen. Darüber hinaus gehen biologische Konstrukte nach Ablauf ihrer Nutzungsdauer bzw. nach dem Lebensende des Organismus in der Regel wieder in den natürlichen Stoffkreislauf ein, d.h., sie sind vollständig abbau- und recycelbar. Bedeutendstes Beispiel ist hier die Photosynthese. Erst die dynamische Energie kann die Selbstorganisation der lebenden Systeme auslösen. Ökologischer Landbau hat erst dann eine Zukunft, wenn das effiziente Prinzip der Natur die „dynamischen Energie“ in das Bewusstsein des Landwirts seinen Platz gefunden hat.